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Willkommen

Seit den 2009er Aktionszeiträumen und Demonstrationen des Bundesweiten Bildungsstreik (in über 100 Städten über 270.000 Protestierende) haben sich kritische Studierende, Schüler_innen und andere Betroffene in Osnabrück zu einer konstruktiven, politischen Protestbewegung zusammengeschlossen. Deren vorläufiger aktivistischer Höhepunkt war die polizeilich-geräumte Besetzung des Hörsaal 01/E01 in der Kolpingstraße im November.

Aber Protest und Arbeit gehen weiter! 

Wir treffen uns mehrmals die Woche zu offenen, basis-demokratischen Plenarsitzungen oder in Arbeitskreisen, um aktuelle Themen der Bildungspolitik zu diskutieren, politische Aktionen zu planen, aktiv Verbesserungen unserer gegenwärtigen Bildungssituation umzusetzen und uns frei zu bilden.

Neuigkeiten / Blog

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Streitzeitung #3

Pünktlich zur Vorlesungsfreien Zeit ist die dritte Ausgabe des Streikblatt Osnabrück fertig geworden. Nach den im Vergleich zum letzten Jahr etwas flauen Protesten diesen Somemr fragen wir provokativ: Ist Kapitulation vielleicht die richtige Antwort? Weitere Themen sind zB der Wandel im Bildungssystem und die Bundeswehr in Schulen. Wir wünschen viel Spaß mit der Lektüre.

Damit dürften die Semesterferien wie im Flug vergehen, derweil wir an der vierten Ausgabe feilen, die zur nächsten Ersti-Woche fertig werden soll. Schließlich wollen auch wir unseren Teil beitragen, dass die GLOBAL WAVE OF ACTION im November die Verhältnisse zum tanzen bringt ;)

 

 

Solidaritätserklärung mit den Protesten gegen den Zapfenstreich in Münster

Am 30. Juni 2010 fand in Münster ein so genannter Zapfenstreich der Bundeswehr mitsamt Fackelmarsch, Marschmusik und militärischem Gehorsam statt.
Anlass war der Abzug des bislang in Münster stationierten „Lufttransportkommandos“. Dies hat jedoch mit einer begrüßungswerten Abrüstung nichts zu tun, sondern es zog lediglich nach Eindhoven zur Errichtung eines europäischen Lufttransportkommandos EATC (European Air Transport Command) um.
Aus Protest gegen dieses Militärspektakel und Auslandseinsätze initiierte die Friedensinitiative Pulverturm aus Münster die Gegenveranstaltung „ZapfNix - Vuvuzelas für den Frieden“  um laut, bunt und friedlich gegen diese Veranstaltung zu demonstrieren.
Die Bildungsbewegung Osnabrück solidarisiert sich ausdrücklich mit den Protestierenden und ihrem Anliegen. Wir setzen uns über unser Bildungsengagement hinaus für eine friedliche Gesellschaft ein, in der nicht die Gewalt, sondern das bessere Argument im herrschaftsfreien Diskurs siegt.
 
Darüber hinaus gibt es noch weitere Kritikpunkte:
Die deutsche Armee schließt immer mehr Kooperationsabkommen mit Landesschulministerien:

„Jugendoffiziere informieren im schulischen Kontext Schülerinnen und Schüler über die zur Friedenssicherung möglichen und/oder notwendigen Instrumente der Politik. Dabei werden Informationen zur globalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung genauso wie Informationen zu nationalen Interessen einzubeziehen sein.“

heißt es im Kooperationsabkommen der Bundeswehr mit dem Land Baden-Württemberg. Diese Informationen bieten gewiss keinen kritischen Blick, sondern stellen die Problematik nur einseitig aus Sicht der Armee dar. Doch der Widerstand gegen Militarisierung von Bildungseinrichtungen wird zunehmend stärker. In Freiburg formierte sich aufgrund dieser Kooperation im Januar dieses Jahres eine Demonstration unter dem Motto „Bundeswehr raus aus dem Klassenzimmer“. Ebenso demonstrierten am 25. Juni 2010 30 Schüler_innen des Bündnisses  „Schule ohne Militär“ am Melanchthon-Gymnasium in Berlin gegen eine solche Veranstaltung. Dabei nahm die Polizei von 3 Schülern die Personalien auf – in einem Schulgebäude!
Doch auch an den Universitäten sind Bundeswehr und Militär nicht fern: An verschiedenen Hochschulen (nicht nur) in Niedersachsen - zuletzt in Braunschweig, Clausthal und Hannover - gab es Forschungsprojekte aus dem Bereich der Rüstungs- und Sicherheitstechnik, wie eine Nachfrage der Fraktion Die Linke im Niedersächsischen Landtag an den ehemaligen Forschungsminister Lutz Stratmann (CDU) ergab. Diese faktische Militärforschung konnte nicht immer so praktiziert werden: Von 1993 bis 2002 beinhaltete das Niedersächsische Hochschulgesetz (NHG) eine so genannte Zivilklausel, die festestellte, dass

„es der Aufgabenstellung der Hochschulen nicht entspricht, wenn in ihnen Forschung betrieben wird, deren Ergebnisse für eine militärische Nutzung vorgesehen sind oder aber für eine solche Nutzung erkennbar unmittelbar missbraucht werden sollen.“

All diese Entwicklungen machen eine zunehmende Militarisierung der Gesellschaft und insbesondere der Bildungseinrichtungen deutlich und damit ein Protest gegen die Bundeswehr und ihre öffentliche Darstellung nötiger denn je. Gerade weil ein Großteil der öffentlichen Wahrnehmung nicht bereit ist, die Bundeswehr kritisch als Verteidigerin von Wirtschaftsinteressen und als de facto Beteiligte an Kriegen oder kriegsähnlichen Konflikten zu sehen. Dies zeigte zuletzt der erzwungene Rücktritt des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Weiterhin verurteilen wir den völlig unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei. Als zu Beginn der Veranstaltung die lautstarken, aber friedlichen Protestierenden nicht abzogen und drohten Serenade und Marschmusik zu übertönen, drängte eine Polizeihundertschaft ohne vorherigen Platzverweis die Protestler_innen gewaltvoll in Richtung des etwa 100 Meter entfernten Asta der Uni Münster. Dabei kam es zu jagdähnlichen Szenen und mehreren Verletzten, sowie 2 Festnahmen. Auch wurde dem Asta zu dieser Zeit die Stromversorgung abgedreht, weil im Vorfeld angekündigt wurde, dass während des Zapfenstreiches von dort Antikriegsmusik zu hören sein sollte. Es ist erschreckend mit welchem Ausmaß an Repressionen friedliche Demonstrant_innen an der Wahrnehmung ihres Demonstrationsrechts gehindert werden.

Bildung für alle – besonders für Militarist_innen!

Infoseite der Gegenveranstaltung "ZapfNix":
http://zapfnix-muenster.de

Bundeswehr und Schule:
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Bundeswehr/schule.html
http://www.jungewelt.de/2010/06-02/043.php
http://www.jungewelt.de/2010/06-25/046.php

Zivilklausel im NHG:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=na&dig=2009%2F08%2F1...

Bildungsbewegung erklärt sich solidarisch!

Demonstration und Kundgebung für soziale Gerechtigkeit am Samstag, 26. Juni 2010

Wir dürfen nicht zulassen, dass nun mit Verweis auf die versprochenen Investitionen im Hochschulbereich Sozialabbau oder z.B. die Beibehaltung von KiTa-Gebühren begründet werden. Wir weisen darauf hin: Die Selektivität unseres Bildungssystem entscheidet sich nicht bei dem Übergang vom Gymnasium auf die Hochschule. Die wirklichen Probleme sind der Stillstand bei der frühkindlichen Bildungsförderung und die Auswirkungen des gegliederten Schulsystems, dass täglich mehr "Verlierer“ produziert und dessen „Gewinner“ nicht zuletzt gegen sich selbst kämpfen müssen. Wir bedauern, dass die Aufmerksamkeitsverteilung so einseitig auf den „studentischen Protest“ ausgerichtet ist, die Interessen von SchülerInnen und auch Auszubildenden ausgeblendet und der gesamtgesellschaftliche Anspruch, der in vielen Forderungen steckt, systematisch geleugnet wird. Hier müssen wir unsere Solidarität beweisen und in die andere Richtung arbeiten.

Wir unterstützen den Osnabrücker Aufruf für soziale Gerechtigkeit und fordern zur Teilnahme an der Demonstration auf.

Über das Präsidiums-Gespräch letzten Dienstag - Endlich Entwicklung!

Wie im letzten Blog-Artikel bereits angesprochen, kam es vergangenen Dienstag (08.06.) zu einem etwa einstündigen öffentlichen Gespräch zwischen dem Präsidium und ca. 30 Studierenden. Hauptthema waren – neben einer kurzen Aussprache über die bisherigen Proteste und Aktionen – die akute Raumnot der Studierenden an der Universität, die nach wie vor gegebene Praxis von Anwesenheitslisten, Probleme studentischer Mitgestaltung und deren Ursachen, und die Möglichkeiten für einen weiterführenden Dialog.

Zur Raumfrage:

Dass es der Universität Osnabrück an Räumlichkeiten mangelt, die von den Studierenden zum gemeinsamen Lernen, Arbeiten sowie generell zur Zusammenkunft genutzt werden können ist altbekannt. Es gibt weder am Schloss noch am Westerberg adäquate Lernräume und die spärlichen Möglichkeiten in Fluren, den Cafeterien sowie den Bibliotheken sind sicherlich kein genügender Ersatz. Größeren Gruppen Studierender bleiben so nach dem Gang zur Raumverwaltung meist nur einige Abendstunden bis vom Sicherheitsdienst abgeschlossen wird. Dieses drängende Problem wurde dem Präsidium bereits zu Semesterbeginn in einer einstimmig beschlossenen StuPa Resolution aufgezeigt, vorerst allerdings ohne Erfolg. Im Zuge des Gesprächs am letzten Dienstag jedoch wurde vom Präsidium zu unserer großen Freude zum ersten Mal ein konkretes Angebot vorgelegt: Ab Herbst könnten dem Präsidium zu Folge 250 Quadratmeter auf dem ehemaligen Kasernengelände am Westerberg den Studierenden 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche zur Verfügung gestellt werden. Bei dem vom Präsidium beschriebenen Gebäude handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Adresse Sedanstraße 22, die zu Fuß in etwa fünf Minuten vom Uni-Standort Westerberg erreichbar ist.

Zu den Anwesenheitslisten:

Hier hat sich das Präsidium mit der Studierendenschaft solidarisch erklärt und mitgeteilt, dass es Anwesenheitslisten im Umgang mit Erwachsenen für nicht angebracht hält. Des Weiteren soll an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen werden, dass Anwesenheitslisten aller Wahrscheinlichkeit nach grundsätzlich und in einigen Studiengängen definitiv rechtlich nicht haltbar sind.

In der Zwischenzeit hat das Präsidium den Dekanen, Studiendekanen und Fachsprechern der Uni Osnabrück eine Klarstellung zukommen lassen, die besagt, dass „die Verpflichtung zur regelmäßigen Anwesenheit in einer Veranstaltung keine Vorgabe der Universität Osnabrück darstellt, sondern auf der Entscheidung des einzelnen Dozierenden beruht“.

Zum weiteren gemeinsamen Vorgehen:

Wir werden in den nächsten Tagen versuchen mit Herrn Blome von der Raumverwaltung einen Termin zur gemeinsamen Begehung zu arrangieren, um einen Einblick in die angegebenen Räumlichkeiten zu erhalten. Da es in den Händen der Studierendenschaft liegt dieses Angebot anzunehmen oder nicht, möchten wir jeden an diesem Thema Interessierten einladen dieser Besichtigung beizuwohnen, bzw. sich zu dem Thema zu äußern. Dies kann am einfachsten über den Mailverteiler der Bildungsbewegung (bibos at bildungsstreik-os.de), die entsprechende Wiki Seite, oder eine Mail an Rafael (rreisenh at uos de) geschehen. Oder man kommt einfach zu einem der regelmäßig stattfindenden Plena.

Des Weiteren versprach das Präsidium sich im Senat öffentlich zum Inhalt des Statements zu äußern, das von den Studierenden als Vorbereitung für das Gespräch am vergangenen Dienstag verfasst wurde, das auch Grundlage für eine eventuelle gemeinsame Erklärung von Studierendenschaft und Präsidium dienen könnte.

Außerdem bekundete das Präsidium an einem weiteren Dialog – beispielsweise im Zuge der Themenreihe „Bildung und Demokratie“ – gern teilnehmen zu wollen. Hier könnte sich die Möglichkeit finden die Raumfrage an sich, das Angebot des Präsidiums und weitere alternative Lösungsvorschläge in einer offenen Gruppe konstruktiv und kreativ gemeinsam zu diskutieren; darüber hinaus eröffne ein solches Gespräch auch endlich den Raum das Positionspapier des Plenums (des im Herbst besetzten Hörsaals) gemeinsam zu besprechen.

Abgesehen davon ließe sich noch die im Großen und Ganzen sehr angenehme und konstruktive Gesprächsatmosphäre hervorheben, sowie die Erkenntnis, dass sich mit ein bisschen Vehemenz schon auch mal was bewegen lässt. Yeah!

Nach der Besetzung: Gemeinsame Erklärung von Studierenden und Präsidium?

Nach dem Gesprächsangebot des Präsidiums von letzter Woche gingen heute Morgen um 08:00 Uhr die Studierenden mit einem Erklärungsvorschlag zur Situation der universitären Kommunikation und Mitbestimmung auf das Präsidium zu.

Den ihrer Ansicht nach notwendigen Einstieg in Veränderungen bezüglich der Raumsituation für Studierende, der Problematik der Anwesenheitslisten, sowie der Anpassung der demokratischen Partizipation wurde zusammen mit dem Präsidium andiskutiert. Eine ergänzende Erklärung, zusätzlich zum bereits im Dezember verfassten Positionspapier, die als Gemeinschaftsvorschlag vorformuliert war, wurde überreicht.

Der Hoffnung der Studierenden, damit einen Diskurs auch in den Gremien der Universität Osnabrück anzustoßen, entsprach Präsident Rollinger mit der Zusage, die Dokumente im Senat der Hochschule zur Debatte zu stellen. Ferner wurde die Bereitschaft bekundet, sich auch im Rahmen zukünftiger Veranstaltungen einem offenem Dialog nicht zu verschließen.

Bezüglich der Forderung des StuPa nach einem studentischen Freiraum machte das Präsidium ein konkretes Angebot. Ein Gebäude auf dem Kasernengelände am Westerberg könne ab WS 2010/11 zur Verfügung stehen und dem AStA zur Selbstverwaltung übergeben werden. Ein gemeinsames, alle interessierten Gruppen einbeziehendes Treffen zur Besprechung dieses Themas soll geplant werden.

Es folgt die von den Studierenden vorformulierte Erklärung:

I. Präambel

In unserer Universität ist die Kommunikation zwischen Studierenden und Präsidium offensichtlich gestört. Als Belege dafür führen wir zum Beispiel die Missstände im Prüfungswesen, die ungenügende Raumsituation (frei zugängliche und offene Lern-, Arbeits- und Gemeinschaftsräume ohne zeitliche Einschränkungen), die mangelhafte Legitimation der im Sommer eingerichteten sechs Arbeitsgruppen für die „Qualität in der Lehre" an. Eine gestörte Kommunikation braucht immer mindestens zwei Seiten - auch Studierende tragen dazu bei.

Die gestörte Beziehung zwischen Studierenden und Universitätsleitung lähmt die schöpferischen Potenzen der Wissenschaft und der Lehre und behindert die Lösung der anstehenden universitätsinternen und gesellschaftlichen Aufgaben. Wir verzetteln uns in erstarrten Haltungen und hätten doch Wichtigeres zu tun für unser Leben, für Europa und die Menschheit.

Es besteht die Notwendigkeit, erneut Glaubwürdigkeit und Vertrauen einander aufzubauen. Dieser nun in Gang gesetzte Prozess zwischen Studierenden und der Hochschulleitung thematisiert die Besorgnis, in der es um gute Lehre, hohe Qualität des Studiums und Verantwortungsübernahme für die Gesellschaft geht. Die Hochschule in der Demokratie kommt heute nicht mehr ohne die dauerhafte, lebendige und streitbare Beteiligung der Studierenden aus. Das Mitwirken und das Engagement sowie das Miteinander und die inhaltliche Auseinandersetzung, in deren Dienst sich alle Hochschulangehörigen stellen, macht den Anspruch auf legitime Selbstverwaltung erst glaubhaft und eine Universität erst handlungsfähig. Auf diese Legitimation kann keine Hochschule dauerhaft und will die Universität Osnabrück nicht verzichten.

In der Universität und im Hochschulwesen funktioniert der Interessenausgleich zwischen den Statusgruppen1, den Studenten, Lehrenden und Mitarbeitern nur mangelhaft. Auch die Kommunikation über die Situation und die Interessenlage ist gehemmt. Im privaten Kreis sagt jeder leichthin, wie seine Diagnose lautet, und nennt die ihm wichtigsten Maßnahmen. Aber die Wünsche und Bestrebungen sind sehr verschieden und werden nicht vernünftig gegeneinander gewichtet und auf reale Durchführbarkeit untersucht. Auf der einen Seite wünschen wir uns gute Lehr- und Lernbedingungen und bessere Forschungsmöglichkeiten, andererseits sehen wir die nur begrenzten Haushaltsmittel und fordern vom Bundesland Niedersachsen eine Finanzausstattung ohne Studiengebühren, mit der die Universität ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen kann. Denn die gegenwärtige Finanzausstattung ist die Verwaltung des Mangels. Wir wollen Spielraum für wissenschaftliche und selbstbestimmte Initiative, in der Fachrichtungen sich gegenseitig befruchten. Wir wollen das Bewährte erhalten und doch Platz für Erneuerung schaffen, um mit den vorhandenen Ressourcen und Mitteln in der Universität besser umzugehen. Wir wollen geordnete Verhältnisse, aber keine Bevormundung. Wir wollen Wenn im Folgendem von "Angehörigen der Universität" geschrieben wird, umfasst dies alle Statusgruppen.eine freie, selbstbewusste und mündige Universität sein, die gemeinschaftsbewusst handelt. Der Bologna-Prozess war und ist kein eindimensionales Vorhaben.

Wir sehen, dass sich im Zuge der Hochschulstrukturreform seit 1998 Spannungsfelder zwischen der Hochschulleitung und den Studierenden gebildet haben, die als kritischer Motor die Diskussion um angemessene Bedingungen für akademische Bildung befruchtet haben.

Um all diese Widersprüche zu erkennen, Meinungen und Argumente dazu anzuhören und zu bewerten sowie verbindende von polarisierenden Interessen zu unterscheiden, bedarf es eines demokratischen Dialogs über die Bedingungen, unter denen das Leben an der Universität Osnabrück geregelt wird. Über diese Fragen müssen wir in aller Öffentlichkeit, gemeinsam und mit allen Hochschulangehörigen und -bediensteten nachdenken und miteinander sprechen. Von der Bereitschaft und dem Wollen dazu wird es abhängen, ob wir in absehbarer Zeit Wege aus der gegenwärtigen krisenhaften Situation finden. Es kommt in der jetzigen Situation darauf an, dass eine größere Anzahl von Menschen - und insbesondere die Angehörigen der Universität Osnabrück - am universitären Wandel mitwirkt mit dem Ziel, dass die vielfältigen Einzel- und Gruppenaktivitäten zu einem Gesamthandeln finden.

Unser gemeinsames Ziel ist es, an unserer Universität eine Entwicklung in Gang zu setzen, an deren Ende eine neue Bildungs-, Mitbestimmungs- und Demokratiekultur steht. Diese Vorschläge sind konkrete Anregungen, die zusammen mit möglichst vielen Studierenden diskutiert werden sollen. Wir wollen einen Raum eröffnen, um hier zu einer neuen Übereinkunft zu kommen.

II. Einigung über Forderungen

Hier finden sich Forderungen, die nach unserer Auffassung weitestgehend kostenneutral (für das Präsidium) bzw. kurz- bis mittelfristig an der Universität Osnabrück gemeinsam mit allen Hochschulangehörigen umgesetzt werden können.
Hier finden sich aber auch langfristige Forderungen, deren Priorität haushaltspolitisch höher angesiedelt werden muss, da sie für eine gute Forschung und Lehre sowie für das universitäre Leben unverzichtbare Grundlagen bilden.

1. Keine Anwesenheitslisten mehr!

In vielen Lehrveranstaltungen werden zum Nachweis der Anwesenheit Anwesenheitslisten geführt, jedoch entfällt den Studierenden hiermit die Möglichkeiten, gezielt, selbstbestimmt und ohne Bevormundung Prioritäten für ihre Lehrveranstaltungen und damit ihr Studium zu setzen. "Die Pflicht zur regelmäßigen Anwesenheit von Studierenden in Lehrveranstaltungen ist „wegen des Rechts auf Studierfreiheit gemäß [...] §4 Abs. 4 Satz 1 Hochschulrahmengesetz (HRG) rechtlich nur in begrenztem Umfang zulässig."2 Die Studierenden der Bildungsbewegung Osnabrück sowie das Präsidium der Universität Osnabrück appellieren ausdrücklich an die Fachbereiche auf Unterschriftenlisten zu verzichten. Als weiteren Grund führen wir dazu an, dass hier auch rechtliche Bedenken bestehen: Die „Muster-Rahmenordnung für Diplomprüfungsordnungen von Universitäten und gleichgestellten Hochschulen“ der KMK in der Fassung von 2000 stellt in einer Anlage klar, dass „Teilnahmebescheinigungen [...] keine Studienleistungen“ sind.3 „Alle Eingriffe in die Rechte der Studierenden erfordern eine entsprechende gesetzliche Ermächtigung, die Verankerung in Prüfungsordnungen/Studienordnungen reicht dafür allein nicht aus.“4

2. Räume für Studierende

Es gibt an der Universität Osnabrück kaum frei zugängliche, offene und dem Bedarf angemessene Räume, in denen sich Studierende ungestört und ohne zeitliche Begrenzung beziehungsweise sonstige Einschränkungen treffen können. Zwar gibt es fachschafts-spezifische Räumlichkeiten, Bibliotheken mit mehr oder minder langen Öffnungszeiten und die Möglichkeit, Räume bei der Raumverwaltung zu reservieren. Jedoch fehlt ein zentraler Ort des Austauschs und der Begegnung, der Kommunikation und Diskussion, der offen für alle und groß genug für Viele ist. Ziel soll es sein, gemeinsames Lernen, den Dialog zwischen Menschen aller Studienrichtungen und eine gemeinschaftliche Beschäftigung mit über den universitären Kontext hinausgehenden Inhalten zu erleichtern. Es sollten ständig verfügbare Räumlichkeiten für Studierende und die vielen Initiativen vorhanden sein. Lernen und Leben in angemessener Atmosphäre sollte mitunter höchste Priorität haben. Es darf nicht an Gruppenarbeits- und Seminarräume fehlen. Bereits vorhandene Liegenschaften sollten dafür zusammen mit der studentischen Selbstverwaltung ausgebaut und verwaltet werden, um die beschriebene Nutzung zu ermöglichen.

3. Eine Andere Art von Zusammenarbeit

Die intensive Beteiligung aller Angehörigen der Universität an den Entscheidungen ist ein unverzichtbares Element der akademischen Selbstverwaltung und zugleich ihr Zentrum. Wir schätzen die Tatkraft und die Gedanken derjenigen, die sich als Mitglieder in den universitätsöffentlichen Raum begeben und damit ihre Vorstellungen, Ansichten, Reflexionen und Lebenserfahrungen in die Gestaltung der Universität Osnabrück einbringen wollen. Daher sind für uns vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten wichtig, die eigene Gestaltungsspielräume beinhalten. Partizipationsmöglichkeiten richten sich an alle Hochschulangehörigen und sollen keine Alibi-Veranstaltungen sein, sondern reale Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte beinhalten. Hierzu gehört größtmögliche Transparenz der Öffentlichkeit und der Hochschulöffentlichkeit gegenüber, daher also ein niedrigschwelliger und erleichterter Zugang zu entscheidungsrelevanten Themen in einer zentralen Online-Sammlung von Protokollen, Berichten, Gremienberichterstattung usw. sowie die Entwicklung einer E-democracy Konzeption.

Um die verfasste Studierendenschaft an den Verfahren zu beteiligen, brauchen ASTA sowie die Fachschaften eine eigenständige Verwaltung, um nachhaltig und stetig eine Vertretung und Einbindung aller Studierenden zu ermöglichen. Durch die Studiensituation im Rahmen der Modularisierung ist die ehrenamtliche Arbeit in der verfassten StudentInnenschaft nicht mehr möglich. Es fehlt an Zeit und Unterstützung. Eine integrierende und vertretende Arbeit erfordert zur Verstetigung der studentischen Selbstverwaltung eigene Personal- und Verwaltungsressourcen. Wir verständigen uns darauf zu prüfen, welche Strukturen und Maßnahmen dazu beitragen können, um die sich für die Universität engagierenden Studierenden durch Anerkennung und strukturelle Unterstützung in ihrer Gremientätigkeit zu entlasten.

Eine hochschulweite Vollversammlung sollte im Jahresturnus alle Hochschulangehörigen zu Beginn des Jahres zu einer zentralen und ordentlichen Vollversammlung unter Leitung des Senats einladen. Der Senat der Universität Osnabrück bereitet die ordentlichen Sitzungen der hochschulweiten Versammlung vor. Die Vertretungen der Statusgruppen können außerordentliche Sitzungen der Vollversammlung einberufen. Den Hochschulangehörigen sollte in einem Punkt "Reden und Anfragen" das Recht eingeräumt werden, Anfragen stellen zu können oder zu Themen der Tagesordnung oder anderen Themen Hinweise und Stellungnahmen vorzutragen. Hier sollen nicht weitere Entscheidungsspielräume zentralisiert werden, sondern im Rahmen der ergänzungs-, ausgleichs- sowie gemeinschaftsstiftenden Funktionen die Fachbereiche in ihrer Arbeit unterstützt werden. Die Bereitstellung von Strukturen, die echte Mitsprache und Mitgestaltungsrechte entfalten ist die vorrangige Aufgabe aller Gremien der Universität. Es ist daher weiterhin zu prüfen, welche Strukturen im Rahmen des geltenden Rechts verändert und diesem Anspruch angepasst werden können. Gegebenenfalls sollte man prüfen, neue Strukturen zur Entscheidungsfindung einzuführen. Zielstellung ist, dass möglichst, diejenigen, die von den Entscheidungen betroffen sind, auch ihre Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten entfalten können.
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1 Wenn im Folgendem von "Angehörigen der Universität" geschrieben wird, umfasst dies alle Statusgruppen.
2 So der Prorektor für Lehre und Studium der Universität Duisburg-Essen in einem Schreiben vom 08.12.2009 an alle DekanInnen und den AStA.
3 So der Prorektors für Bildung der TU Dresden in einem Schreiben vom 12.10.2009 an alle StudiendekanInnen.
4 Ebd.