Im Anschluss an die Vollversammlung am 02.06.2010 wurde von Studierenden der Universität Osnabrück der Hörsaal E01/E02 im Kolpinggebäude besetzt. Die BesetzerInnen forderten eine Abschaffung jeglicher Anwesenheitslisten und die Einrichtung bzw. Bereitstellung angemesser Lern-/Arbeits- und Gemeinschaftsräumlichkeiten für Studierende der Universität Osnabrück.
Die von der bundesweiten Protestbewegung im vergangenen Herbst an Politik und Hochschulleitungen getragenen Missstände im deutschen Hochschulwesen wurden bis auf vage Absichtserklärungen wenig bis gar nicht aufgegriffen. Im Konkreten ist an der Universität Osnabrück die Praxis Anwesenheitslisten zu führen nach wie vor gang und gäbe, obwohl diese jeder Vorstellung einer selbstbestimmten Lehre widerspricht und aller Wahrscheinlichkeit nach auch rechtlich nicht haltbar ist. Des Weiteren verfügt die Universität Osnabrück über keinen einzigen Raum der dezidiert dem gemeinsamen Lernen, Arbeiten und der Zusammenkunft der Studierendenschaft gewidmet ist. Dieser Missstand behindert gemeinsames Lernen, den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Studienrichtungen und eine gemeinschaftliche Beschäftigung mit Inhalten die über den universitären Kontext hinausgehen.
Etwa zwei Stunden nach Besetzung des Hörsaals wurde von Vertretern der Hochschulleitung bereits das Hausrecht ausgesprochen. In weiterer Folge kam es zu einem gut zweistündigen Dialog zwischen den BesetzerInnen, der Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung May-Britt Kallenrode und der Vizepräsidentin für Studium und Lehre Martina Blasberg-Kuhnke. In diesem Gespräch artikulierten die Studierenden oben genannte Forderungen, sowie die Notwendigkeit diesen im Zuge einer Besetzung Ausdruck zu verleihen bzw. sich so den nötigen Freiraum zu schaffen, auch andere Missstände die bereits im Herbst im Positionspapier erkannt wurden weiter aufzeigen und möglicherweise ändern zu können. Von Präsidiumsseite wurde klargemacht, dass man den Positionen inhaltlich zwar Sympathien entgegenbringen, jedoch eine weitere Besetzung nicht verstehen und dulden würde. Demgemäß wurde der Hörsaal um etwa 20:20 polizeilich geräumt.
Die Studierenden verließen den Hörsaal ohne weiteren Widerstand und trafen sich noch im Anschluss zu einem Plenum im Schlosspark, um das weiter Vorgehen zu besprechen. Vor allem wurde über das Angebot des Präsidiums diskutiert, eine Termin zur eventuellen Lösung der akuten „Raumfrage“ zu vereinbaren.
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